Eine Studie des Scheiterns

21.11.2015 - 15:39 von Ole Sindt (Kommentare: 1)

Workshops, Modelsharings und wie man es nicht machen sollte...

Mein Grundgedanke im Sommer 2015 war: Im Herbst/Winter machen wir das Studio voll. Bäm, jedes Wochenende ein Event. Model-Sharings, Workshops zum Einstieg in die digitale Fotografie, Workshops für Einsteiger in die Studiofotografie, Model-Posings, günstige Studiomiete usw. Ideen im Überfluß.

Also, machte ich, was man in so einer Situation macht: Markt checken. Ok, der ist in Kiel jetzt überschaubar. Workshops gab es eine Menge, meist stark auf reine Anfänger konzentriert. Durch etwas Spionage (oder nettes Fragen) erfuhr ich, dass diese Kurse gut ankommen. Sollte man also auch anbieten.

Model-Sharings waren seltener, meist mit den immer gleichen Mädels, und produzierten offensichtlich Bilder, die sehr viel Potenzial nach oben hatten.

Meine dritte Idee, an gewissen Tagen das Studio sehr günstig zu vermieten, konnte man sofort vergessen. Ein Mitanbieter hat so geringe Preise, dass selbst bei 50% Rabatt wir immer noch wie gierige Kredithaie gewirkt hätten.

Also, der Fokus lag auf Model-Sharings und Workshops.

Workshops

Hier habe ich gleich zwei Workshops ausgesucht. Einmal für komplette Anfänger, und dann einen für Anfänger in der Studiofotografie. Ich habe erstmal nur letzteren angeboten.

Für diesen Workshop braucht man: a) einen Vortrag b) ein Model, um die Theorie umzusetzen.

Das schreiben des Vortrags benötigt etwas mehr Zeit, als ich dachte. Insgesamt habe ich etwa 12 Arbeitsstunden investiert. Ichf inde ihn aber durchaus gelungen.

Beim Model war schnell klar, dass es nur eine begrenzte Auswahl in Kiel geben kann. Ich wollte hier auch für Anfänger nur gute Models präsentieren. Glücklicherweise konnte ich Mona gewinnen. Meine Kalkulation sahen maximal vier Teilnehmer (für unser Studio die perfekte Anzahl) vor, basiert habe ich alles auf 2,4 Teilnehmer. Rausgekommen war ein Preis von 59€ für vier Stunden. Gebucht hatte eine Teilnehmerin. Ich glaube, die hatte aber viel Spaß.

Mona beim Workshop

Model-Sharings

Ende Juli begann ich Models dafür anzufragen. Ja, solange habe ich mich damit befasst. Es folgte das typische Muster: 10% sagte "Kein Interesse", 20% sagte "Hier meine Preisliste", 70% sagte gar nichts.

Nachdem ich einige Preise der Damen hatte, war klar, dass eine Grundsatzentscheidung her musste: Ein oder zwei Models. Ein Model bedeutete bei vier Teilnehmern, dass mind. 2 zwei eine Zeitlang nichts zu tun hätten. Suboptimal, wenn man für eine Veranstaltung Geld bezahlt, finde ich.

Also, zwei Models. Aber: Bei den aufgerufenen Preisen kaum bezahlbar, seriös kalkuliert war man dann bei einem Preis von etwa 170€ Netto. Illusorisch in Kiel sowas aufzurufen. Aber: Wir haben in Kiel und Umgebung ja durchaus sehr gute Models, mit denen man ein solches Angebot gut aufziehen kann. Man muss halt nur Gute auswählen.

Beim ersten Model-Sharing konnte ich Mona und Jana gewinnen. Ich habe lange über den Preis gegrübelt und es war mir beinahe unangenehm, wie wenig ich den Beiden anbieten konnte. Aber wenn es in Kiel Sharings für 30€ gibt, kann ich einfach keine 100€ verlangen (was mein ursprünglicher Plan war). Am Ende nahm ich 69€. Zwei Teilnehmer kamen und deckten kaum die Kosten. War aber auch wieder ein sehr schöner und spaßiger Tag.

Jana beim Sharing

 

Beim nächsten Sharing waren Marlene und Karina eingeplant. Leider gab es hierfür am Ende keine einzige Anmeldung. Da ich pro Sharing jeweils 6-8 Arbeitsstunden in die Vorbereitung, die Kommunikation und das Marketing gesteckt habe, macht es wenig Sinn diesen Ansatz weiterzuverfolgen. Weder wirtschaftlich, noch persönlich. Der Frust saugt einem den letzten Spaß raus.

Kommen wir aber zu meinen Fehlern...Woran lag es? Oder besser, was glaube ich, woran lag es?

1. Marketing

Ich habe fast ausschließlich auf Facebook und Model-Kartei gesetzt. Natürlich auch auf meinen Blog, aber naja, die paar Leute, die sich darauf verlieren, kann man vernachlässigen. Eigentlich war ich zufrieden mit den Zugriffszahlen, aber diese konnte ich nicht in Anmeldungen umwandeln. Schlussfolgerung: Angebot nicht attraktiv genug oder nicht gut genug präsentiert. Oder zu teuer. Oder falscher Tag. Oder eine Kombination aus Allem.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Bei Model-Kartei kann ich sehen, welcher Fotograf meine Ausschreibung sich angesehen hat. Und, ganz ehrlich, da waren mindestens ein halbes Duzend aus Kiel dabei, die mit einem einzigen Bild von Mona ihre Sedcard um 200% aufgewertet hätten.

2. Preis

Ich habe darüber schon viel geschrieben, aber wir Fotografen sind ja großartig darin, unsere Märkte selbst zu kanabilisieren. Man kann in Kiel ein Fotostudio für 5€/h mieten. Kein Scherz. Und man müsste darüber lachen, wenn es nicht so wahnsinnig wäre. Und dadurch erscheint mein Preis natürlich gewaltig hoch. Sicherlich ein Faktor.

3. Mitbewerber

Man muss den Mitbewerbern zu Gute halten, dass sie einen besseren Job als ich darin machen, ihre Arbeiten und Events zu präsentieren und mehr Interaktion zu generieren. Mir fehlt hier einfach das Vermarktungsgen. Andererseits sehe ich halt vieles was da gepostet wird, nicht als Werbung für Veranstaltungen, sondern sehe es eher Abschreckend. Aber: Der Erfolg gibt den anderen Recht. Muss ich einfach so sagen.

4. Umfeld

Kiel ist nicht der perfekte Ort für sowas. In Hamburg, Berlin und Co hätte man sich über solche Angebote bei den Preisen kaputtgelacht.

5. Was hab ich vergessen?

Sagt es mir! Ich bin da sehr gespannt auf Kommentare und Anregungen, was ich beim nächsten Mal besser machen muss.

 

 

 

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Kommentare

Kommentar von Heiko Knaack | 21.11.2015

Drei Worte:

ich bin schockiert !

Nachdem ich leider absagen musste, weil mir diesmal einfach die angekündigten Modelle nicht zusagten (ist ja schließlich Geschmackssache und Mona war nicht mehr dabei), freute ich mich dennoch darauf, dass es ja sicherlich bald wieder so eine Veranstaltung geben würde.

Ich war einer der Teilnehmer des 1. Modelsharings mit Mona und Jana und kann im Nachhinein nur sagen:
a) ich hätte auch 99,-€, vielleicht sogar mehr bezahlt
b) die Modelle sind/waren ein Selbstgänger (hübsch, erfahren, unglaublich geduldig auch mit Anfängern, sehr sympatisch)
c) würde ich jederzeit wieder machen!

Dass in Kiel allerdings so ein Preisk(r)ampf herrscht, hätte ich nie gedacht!
Wie Ole schon schreibt, neigt die Fotografenbranche ja leider dazu, sich zu kanibalisieren und sich ständig neue Dumpingpreise um die Ohren zu hauen.

Woran liegt das?
Nun, es gibt leider immer wieder Leute, die gerade unfallfrei ne Kamera halten können und meinen dann, etwas damit verdienen zu wollen.
In vielen Fällen klappt das sogar, denn selbst beim Schwager von Tante Ernas Nachbarin muss mal der Hamster oder die Konfirmation der Nichte fotografiert werden, auch Onkel Haralds 50. muss doch dokumentiert werden.
Kurzum: alles Jobs, die die meisten von uns nichtmal mit der Kneifzange anpacken würden.
Hat so ein Neuling aber erst Blut geleckt und Bestätigung durch den Schwager des Hamsters bekommen, wird 2+2 zusammengezählt und dabei kommt 1,50 raus...na sagen wir lieber 0,99, dann kriegt man mehr Aufträge!
Das wiederum fuchst so manchen Profi oder Semi-Profi und der macht dann was? Genau: Preise senken, damit er auch noch was vom Kuchen abbekommt.

Und so dreht sich die Spirale nach unten und der Endverbraucher freut sich.

In einem Tutorial von Calvin Hollywood wird dieses Thema behandelt.
Das Fazit dabei ist: wenn ein Kunde nicht bereit ist, DEINEN Preis zu zahlen, dann gehört er schlichtweg nicht zu Deinem Kundenkreis.
Und wenn er sagt: "Aber bei Fotograf B ist es doch günstiger" hast Du 2 Antwortmöglichkeiten: 1.: "Dann geh doch da hin!" oder 2.: "Aber Du bist zu MIR gekommen und nicht zu ihm!"

Lange Rede, gar kein Sinn:
verkauft Euch nicht unter Wert! Lockt die richtige Zielgruppe an und alles ist gut!

@Ole: ich habe es beim letzten Mal schon gedacht, aber warum nimmst Du eigentlich keine Vorkasse? Ist bei jedem Workshop so üblich.
Desweiteren gebe ich Dir Recht: Dein Marketing ist besch......! Tut mir leid, aber das muss ich so sagen.
Du kannst ruhig auf Facebook setzen, aber so wie ich das verfolgt hab, hast Du in 1 Gruppe und über Deinen Account geworben, das ist viel zu wenig.
Wenn ich sehe, wie z.B. Christina u. Eduard l Wedding Photography ihre Workshops bewerben, das ist schon fast nervig. Aber sie bekommen sie (fast) immer voll.

Schlüssel dazu sind viele Gruppen, z.B.:
- professionelle WORKSHOPS FÜR FOTOGRAFEN
- Kieler Kleinanzeigen
- Kleinanzeigen Neumünster
- Fotoworkshops in Norddeutschland
- Veranstaltungen-Events-Workshops für Fotografen und Modelle
- Tfp Shoot's - Hamburg & Umgebung
- TfP Fototreff Hamburg
- TFP-Shooting-Börse-NORD
- Fotoworkshops Angebote & Suche bundesweit
- Shootinggesuche,-angebote und andere Jobs hier und überall
- Model sucht...Fotograf findet...
- Portrait | Fotografie
und und und...

Ich an Deiner Stelle würde evtl. sogar mal ein Business-Coaching/ -Workshop mitmachen, um vielleicht neue Vertriebswege aufgezeigt zu bekommen.
Kiel ist ne Studentenstadt. Hingen Aushänge an der FH? Nein? Warum nicht?? Da gibts sicherlich auch Interessenten.

Ich könnte wahrscheinlich noch mehr schreiben, aber im Ganzen möchte ich Dich ermutigen, weiterzumachen. Ein Dämpfer gehört selbst bei den Großen dazu und wichtig ist dann, weiterzumachen!

LG
Heiko

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